Faszination Jugendstil – von Brüssel nach Trier und den Servais-Werken in Trier-Ehrang

Einmal Brüssel – immer Jugendstil. Es ist etwas ansteckendes, wenn man die Stadt der 1.000-Jugendstil-Häuser und damit sicherlich auch „Weltstadt des Jugendstils“ besucht hat. – Die Einladung von „RE/MAX Belgium“ (vgl. https://remax-premium.de/re-max-belgium/)hat ihre Auswirkungen – bis hin in unsere Gefilde. Denn mit einem Mal ist man aufmerksam auf Jahreszahlen, auf Fassaden, auf das florale im ansonsten sehr geometrischen Stadtraum.

Deshalb haben wir in einem ersten Schnell-Rundgang die unserem Text angefügten Fotos als Widmung an all die erhaltenen Jugendstil-Häuser bzw. –Fassaden in Trier hier festgehalten: die Nagelstraße 31 (mit unserem Respekt gegenüber der Renovierung), die Fleischstraße 45, die Gilbertstraße 34 und die Karl-Marx-Straße 43, die mit der eisernen – am Jugendstil orientierten – „Hülle“ das Auge anlockt.

Und natürlich stolperten wir noch rechtzeitig über die im Stadtmuseum Simeonstift Trier präsentierte Ausstellung „Faszination Jugendstil“. – Auch hier unser Dank für eine schöne Bildpalette die wir von der Pressestelle (Alexandra Ort) erhalten haben: So können wir Ihnen ein paar optische Leckerbissen der Ausstellung hier mit vorstellen. – Gerne übernehmen wir die zur Ausstellung publizierte Presseinformation, so dass Trier mit dem Jugendstil und der ehemaligen Keramikwerkstatt Servais in Trier-Ehrang verbunden werden kann. – Die „Vereinigte Servais-Werke AG – Mosaik-Ton- & Wandplatten Fabriken – Abteilung Ehrang“ wurde 1877 Gegründet von Philipp Lamberty und wurde 1993 geschlossen. – Die Ausdehnung der ehemaligen Werke erstreckte sich über ein beeindruckendes Areal von Ehrang: – vgl. https://www.industrie.lu/servaisehrang.html :

„FASZINATION JUGENDSTIL.
Dekorative Keramik der Servais-Werke Ehrang
Sonderausstellung im Kabinett des Stadtmuseums Simeonstift Trier
bis zum 13. November 2022

Mit einer Vase fing alles an: Vor zehn Jahren entdeckte das Stadtmuseum bei einer Auktion zwei Jugendstil-Vasen mit dem Stempel eines regionalen Unternehmens und stieß auf die fast vergessene Geschichte der Keramikwerke Servais aus Trier-Ehrang. Mittlerweile verfügt das Museum nicht nur über eine beachtliche Sammlung dekorativer Objekte aus jener Produktionszeit des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Jedes Stück erweiterte auch das Wissen um die Firmenhistorie sowie die Künstler und Modelleure, die dort faszinierende Werke des Jugendstils schufen. Eine Sonderausstellung im Kabinettraum des Stadtmuseums gibt nun einen Einblick in die neuesten Erkenntnisse zur Firmengeschichte und zeigt die jüngsten Ankäufe dieses Sammlungsbereichs.

Nur wenig erinnert in Trier noch an die Epoche des Jugendstils, die den Kunstgeschmack der Jahrhundertwende vielerorts prägte. Umso mehr überraschte es Dr. Bernd Röder, Mitarbeiter des Stadtmuseums Simeonstift, als er im Jahr 2012 bei der renommierten Kunst- und Antiquitätenmesse TEFAF in Maastricht ein Vasenpaar diesen Stils mit Trierer Herkunft entdeckte. Die beiden schlichten Keramikvasen in grünlich blau bis violetter Verlaufsglasur erinnern mit ihrer geschwungenen Kelchform an die floralen Elemente von Blüten und Ranken, wie sie für die Formsprache des Jugendstils typisch waren. „Der Stempel auf der Unterseite hat mich neugierig gemacht: VSWAG Ehrang. Ich hatte einen Verdacht, um was es sich handeln könnte. Aber die Stücke waren gänzlich untypisch für das, was ich bisher kannte“, so Dr. Röder.

VSWAG, die Vereinigte Servais-Werke AG, wurde 1878 unter dem Namen „Lamberty, Servais & Compagnie“ in Ehrang gegründet. Unter wechselnden Eigentümern und Firmennamen hatte das Keramikwerk bis 1993 Bestand. Das Unternehmen war vor allem für baukeramische Produkte wie Fliesen, Boden- und Mosaikplatten oder Brunnenanlagen bekannt. Vasen und Kleinplastiken – wie beispielsweise die kunstvollen Tierfiguren mit beeindruckenden Glasureffekten, die aktuell in der Ausstellung des Stadtmuseums zu sehen sind – ergänzten in den ersten Jahrzehnten die Produktpalette, waren aber weitestgehend in Vergessenheit geraten. Ihre Entdeckung liefert nun neue Hinweise zur Verbreitung des Jugendstils, dessen Spuren in Trier und der Region nur noch an wenigen Gebäuden sichtbar sind.

Durch die Kontakte zu Sammlern, Nachfahren und Kennern der Firmengeschichte, wie Berthold Lorig, dem letzten Betriebsleiter des Werks, konnten in den vergangenen Jahren viele neue Erkenntnisse über die Produkte der Firma Servais und deren Herstellung gewonnen werden. Schenkungen und Neuankäufe konnten den Einblick in die gestalterische Vielfalt der Ehranger Werke erweitern.

Ein Überblick über den aktuellen Forschungsstand ist bis zum 13. November in einer Sonderausstellung im Kabinettraum des Stadtmuseums zu sehen. Ein vielfältiges Begleitprogramm aus Führungen, Vorträgen und Workshops bietet dabei Besuchern allen Alters die Gelegenheit, ihre Faszination für den Jugendstil zu entdecken. “

Das Stadtmuseum Simeonstift Trier (Simeonstiftstraße 60 – direkt neben der Porta Nigra, 54290 Trier) ist von Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr geöffnet. – https://museum-trier.de/

Vortext: Christoph Maisenbacher
Quelle: Stadtmuseum Simeonstift Trier – 12. November 2022
Foto: © Trierer Umschau – © Stadtmuseum Trier – die Fotos sind einzeln beschriftet